Guess who’s back? Yes – me.
Eigentlich war Instagram immer genau mein Ding – visuell ansprechender Content, der mich inspiriert. Egal ob Food-Content, Mode oder alles rundherum in meiner geliebten Planer-Bubble.
Wenn du das Gefühl hast, alles ist zu laut:
Aber Instagram geht es wie Facebook: man wird geflutet mit Werbung, mit Spam, mit Anfragen von Leuten wo man sich fragt welcher Chatboot da wieder dahinter steht, von den ganzen Internet-Entrepreneurs… Vor allem letztere stören mich massiv. Viele so um die 20, die mir erklären wie dumm ich bin dass ich nicht irgendwelche schwindligen Produkte verkaufe & Leuten andrehe sondern dämlich wie ich bin für andere arbeite. Und das auch noch Vollzeit, du Nuss! Für die anderen, die für mich in die Renten- und Sozialklasse einzahlen und die Produkte herstellen, die unsere ganzen Internetmillionäre so gerne in ihren Reels präsentieren. Ach ne sorry, die verkaufen ja meistens billigen China-Schund oder schwindlige Coachingprogramme. Sorry, nehm alles zurück.
Natürlich weiß ich welche Maschen dahinter stehen – seit Schneeballsysteme verboten wurden, muss man sich halt neue Vertriebskanäle überlegen. Eine ganze Zeitlang war es das Thema Dropshipping. Man kauft billig in Asien ein und verkauft es teurer weiter. Der Clou – dort wo man einkauft, startet auch der Logistikprozess. D.h. man braucht nicht mal mehr ein Lager. Das Modell überholt sich langsam auch, weil die EU relativ harte Verbraucherschutzgesetzte hat. Gewährleistung und Rückgaberecht inklusive.
Das neueste waren dann unsere ganzen „Unternehmer“ die mit den sogenannten „Master Resell Rights“ digitalen Content kaufen und teurer weiter verkaufen. Der Klassiker „so verdienst du 499 EUR mit nur einem Produkt am Tag“. Auf gut deutsch: wenn du einen Deppen gefunden hast, der dir das Produkt für 499 EUR abkauft, weil er es dann selber weiterverkaufen will hast du gewonnen…
Und auch wenn ich das alles weiß – je mehr von diesem Content in meinem Feed aufgetaucht ist, umso schlechter ging es mir damit. Denn was man in der Regel zu den Verkaufsmethoden gratis dazu bekommt sind die passenden Vertriebstipps, wie du deine potentiellen Kunden dazu bringst, dass sie sich schlecht fühlen und bei dir kaufen. Der Klassiker: erzeuge ein Mangelgefühl und schüre Ängste.
Ich meine, dem kann ich noch entgegen steuern, in dem ich dem Algorithmus beibringe, was ich sehen will oder nicht. Oder halt gar keine Reels mehr schaue, um den Mist nicht zu sehen. Aber selbst wenn ich in den Feed gehe, dann sehen die meisten Posts doch immer ähnlich aus. Die immer gleichen Canva-Grafiken in unterschiedlichsten Farbschattierungen, die gestellten Interieurfotos oder perfekten Familienbilder. Oder halt verschiedenste Familiendramen in jeder möglichen Schattierung des Malkasten. Weil „ey, ich will anderen Betroffenen Mut machen“. Ja super, jetzt geht es mir schlecht, weil ich trotz persönlichem Nicht-Drama trotzdem nicht der glücklichste Mensch auf Erden bin.
Oder eben Porträts mit so viel Filter, dass man nie auch nur in die Nähe so einer Perfektion kommt. Und am Ende geht es kaum noch darum, dass Leute das „real life“ zeige, sondern eine perfekte Scheinwelt. Als ob wir immer frisch gestylt und erholt am Strand liegen oder teuer essen oder shoppen oder heiles Familienleben oder sauberes zu Hause oder oder oder…
Und ähnlich wie beim einarmigen Banditen in Las Vegas verblödet man einfach bzw. ist am Ende völlig reizüberflutet mit dem ständigen Wischen durch die Reels – könnt Ihr übrigens nachlesen oder in Dokus schauen: sind die gleichen Mechanismen, die angewendet werden.
Zeit für den digitalen Detox:
Und so hatte ich keine Lust mehr auf Instagram und habe einfach von einem Tag auf den anderen aufgehört, meinen Kanal auf privat gesetzt und das wars. 10 Monate sind es bisher – habe ich es vermisst? Manchmal. Habe ich mehr Zeit? Defintiv…
In Summe tut mir die Reizüberflutung der sozialen Medien einfach nicht gut – weder körperlich (in den Bildschirm glotzen…) noch mental (siehe oben). In Kombination mit einem stressigen Job, der sich in letzter Zeit immer mehr zu einem toxischen Umfeld gewandelt hat und einem kranken Hund, den wir in ihrem letzten Jahr als Pflegekraft, professionelle Kraul- und Kuschelkraft, Handfütterungsexperte, Treppenlift und noch viele weitere Rollen begleitet haben, wurde es irgendwann einfach zu viel und die Nerven lagen blank. Und auch wenn man es gerne belächelt – glaubt es mir: ein Digital Detox wirkt wahre Wunder!
Und nein – Shopping ist keine gute Idee, um permanent sein Glückszentrum zu belohnen. Kann ich euch aus Erfahrung sagen. Auch wenn ich wahnsinnig gerne shoppen gehe, aber dazu ein andermal mehr.
Komme ich zurück? Jein – mit Sicherheit nicht mehr so, wie ich es einmal betrieben habe und wahrscheinlich auch nicht besonders aktiv auf Euren Kanälen. Beziehungsweise nur noch sehr sehr selektiv. Ich habe mehr Freude daran, hier auf dem Blog in Ruhe für Euch und gerne auch mit Euch zu schreiben (ja, auch Blogbeiträge kann man kommentieren; nicht nur Instabeiträge). Bestimmt poste ich immer mal wieder etwas für Euch. Aber weder regelmäßig, noch hochglanz und vor allem, wo ich das Gefühl habe, dass es gerade zu mir und meinem Motto „durch und durch ver-/geplant“ passt.
Aber was habe ich dann mit der Zeit angefangen, die ich jetzt nicht mehr für Instagram nutze? Das analoge Leben reaktiviert 🙂 Ich bin viel mit unseren beiden verbleibenden Hundemädchen unterwegs, ich bin stolze Tante geworden, ich habe mir Stricken bei gebracht (yeah wie aufregend, aber ich sags euch – sehr entspannend und man kann es danach auch noch anziehen. Win-Win sozusagen), ich lese viel, ich baue meine Finanzbildung weiter aus und entrümpel weiter in jeder Hinsicht mein Leben…
Solltet Ihr auch mal ausprobieren…
2 Kommentare
Vielen Dank für diesen Blick hinter die Fassade – ich kann das so gut nachvollziehen.
Wie auch immer Dein Comeback aussehen mag, ich freu mich da sehr drauf. Denn Deinen Content und vor allem Deinen Biss und den Sarkasmus hab ich wirklich vermisst.
Am Ende zählt nur, dass Du Dich damit wohl fühlst.
Alles Liebe,
Sandra
Oh danke dir, wie lieb von dir!